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am donnerstag ist bekanntgegeben worden, wer dieses jahr den world press photo award gewonnen hat. es ist der dänische fotograf mads nissen mit seiner momentaufnahme zweier schwuler russen beim liebesspiel.

seit 1955 wird von der niederländischen world press photo foundation dieser wettbewerb ausgelobt mit dem ziel, die arbeit professioneller pressefotografen zu unterstützen. das ganze hat sich zum größten wettbewerb im bereich pressefotografie entwickelt und das pressefoto des jahres ist zur wichtigsten auszeichnung unter den fotografen geworden – nicht nur wegen der 10 000 euro preisgeld.

neben der suche nach dem besten foto werden 10 weitere kategorien ausgezeichnet: aktuelle nachrichten, allgemeine nachrichten, menschen in den nachrichten, sport und action, sportreportagen, aktuelle themen, alltagsleben, portraits, kunst und kultur, sowie natur. jeweils die drei gewinnerfotos gehen dann rund um die welt auf wanderausstellung. teilnehmer aus 131 ländern haben 98 000 fotos eingeschickt; menschen in 40 ländern können die ausstellung sehen. dank des internets erreichen die fotos noch viel, viel mehr augen. mit diesem wettbewerb wird quasi ein globales resümee der wichtigsten situationen des vorjahres geleistet.

einige der fotos bleiben im gedächtnis, wie das von nick ut 1972 zum vietnamnapalmkrieg. die meisten der ausgezeichneten fotos des jahres in der geschichte des wettbewerbs dokumentieren krieg, katastrophen oder elend. ich finde, daß den allermeisten fotos eigen ist, daß man sie ohne eine erklärung nicht verstehen würde. ihre kraft, ihre wirkung ist immer deutlich, allerdings fällt es mir schwer, sie jeweils dem richtigen kontext zuzuordnen. das ist auch beim diesjährigen foto so. ich kann die ästhetik darin erkennen, aber nicht die politische botschaft – die muß mir mitgeliefert werden. aber genau diese botschaft ist die erklärung dafür, warum gerade dieses bild foto des jahres 2015 wurde und warum das sehr richtig ist.

im letzten jahr waren sicherlich leider viele situationen ebenbürtig. die homophobie in russland steht für mich allerdings stellvertretend für die sich vermehrende erlaubte ablehnung von anderssein. selten vorher war die gesetzlich legalisierte verfolgung von schwulen und lesben so häufig in den medien wie im olympia-jahr 2014. auswirkungen hatte das so gut wie keine. mit ungebremsten elan gehört homophobie weiterhin zum guten öffentlichen ton. aber das ist nur ein beispiel für sich etablierende diskriminierung allerorts. es scheint wieder normal zu sein, anderslebende, andersgläubige, andersliebende als bedrohung zu sehen. ausgrenzung und ablehnung scheint wieder zum „recht“ zu werden.

und deshalb ist es gut, daß das foto von mads nissen gewonnen hat!