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ich war einige jahre fernsehlos. jetzt hab ich wieder einen. die jahre ohne haben mich wohl etwas naiv gemacht und ein paar sachen hab ich einfach nicht mitbekommen.

den flugzeugabsturz am dienstag hab ich zügig mitbekommen, durchs radio und durch eine appnachricht. ich war, wie die allermeisten, schokiert, stark betroffen, bin es immer noch.

und beschähmt. es ist doch etwas anderes, wenn es menschen betrifft, die in meiner umgebung gelebt haben – ohne daß ich einen einzigen davon kenne. es scheint etwas anderes zu sein, wenn der unfall einer ist, der auch einen menschen hätte treffen können, der mir nahe steht.

und dann war ich entsetzt, als ich die nachrichtenmaschinerie im fernsehen sah. unter dem deckmantel der seriösität wurde gnadenlos nach zuschauerzahlen gefischt. alle alten flugzeugunglücke mußten herhalten. und als ich dann die aufnahmen nach dem birgen-air-unglück von 1996 sah, wie reporter die angehörigen dabei filmten und interviewten, als die dabei waren, angeschwemmte sachen nach fundstücken der opfer zu durchsuchen, war ich schier fassungslos. es muß doch eine grenze geben!

die medien haben einen job, oder vielleicht kann man dazu sogar auftrag sagen. und ich will auch informiert werden. nur den ganzen tag die wiederholung der gleichen information – als ob die adressaten, nämlich wir, unsere betroffenheit nicht für fünf minuten aufrecht erhalten könnten und jeden moment dran erinnert werden müssen. ich kann mir auch nicht vorstellen, daß irgendein angehöriger seine informationen nach dem ersten schock aus unseren medien zieht. und trotzdem werden, wie zur absicherung, die offiziellen telefonnummern  eingeblendet, unter denen betroffene hilfe und information bekommen können.

und dann das belagern der schule in haltern. das sind bilder, die ich nicht haben muß, um mitgefühl zu haben. kann man die nicht in ruhe lassen? und muß ich bilder von schweigeminuten geliefert bekommen? bei all dem ist für mich die grenze.

und ich bin beschämt von meinem selektiven mitgefühl. vielleicht nur weil meine freundin im dezember noch von berlin nach barcelona geflogen ist und weil ich zu den rockbürokonzerten nach haltern gefahren bin, hab ich ständig einen kloß im hals. weil ich niemanden kenne, dessen dorf von religiösen fanatisten plattgemacht wurde, wobei 2500 menschen ums leben kamen, bin ich zwar entsetzt, aber es ist mehr ein sachliches entsetzen, weniger ein emotionales. es gibt offensichtlich grenzen.

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