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es gibt viele „jetzt erst“ in der ganzen geschichte.

jetzt erst: steht ein beteiligter des holocaust-verbrechen vor gericht und gesteht und gibt zu und erklärt sich für schuldig. zwar immer noch nicht für so schuldig, wie man es sich wünschte. nicht für so schuldig wie wir allermeisten glauben, dass es klar ist, wie man sich fühlen sollte als ss-offizier, der dienst an der rampe in auschwitz tat. aber doch schuldig mit klareren worten als es je ein angeklagter in auschwitz-prozessen von sich gab. wer nicht mehr den üblichen widerwärtigen ton bei den vorangegangenen prozessen im ohr hat, dem sei empfohlen die lektüre „die ermittlungen“ von peter weiss, oder die ansicht der aufführungen des stückes oder die tonmitschnitte durch das fritz-bauer-institut: http://www.auschwitz-prozess.de/

für die überlebenden und den angehörigen wird es eine späte genugtuung sein, diese worte der schuld aus dem munde eines täters zu hören. es wird ihnen eine späte hilfe sein. aber es wird keine wunden heilen, dafür ist es zu spät, zu kümmerlich, zu erbärmlich.

jetzt erst: es gab auschwitz-prozesse schon vorher. oh ja, einige. es kam auch zu verurteilungen – meist wurden relativ kurze haftstrafen verhängt, die meist schon durch die untersuchungshaft abgesessen waren…oder es gab gar freisprüche. die prozesse waren eine klare darstellung des volkes wille: niemand wollte die prozesse, es sollte endlich schluß sein mit der ganzen verurteilung. das waren die sechziger, die siebziger, die achtziger jahre. immer war der trend der gleiche. zäher anlauf und wenn es tatsächlich zum prozess kam, war das ergebnis in der regel niederschmetternd widerwärtig. 2005 gab es dann den prozess, in dem mohammed atta der beihilfe zum mord in mehreren hundert fällen für schuldig erklärt wurde, weil er die terroristen unterstützt hatte, die die morde aktiv durchgeführt hatten. damit war eigentlich eine grundlage geschaffen für eine neue rechtsauffassung und es hatte eigentlich ein „jetzt endlich“ daraus werden können. aber es mußte noch bis zum demjanjuk-prozess 2011 dauern, bis man diese urteilsfindung auf ein nazi-verbrecher -prozess übertragen konnte.

es ist beschämend, wie oft sich die rechtsprechung in deutschland für nicht zuständig sah, wie häufig es überhaupt nicht zu einem prozess kam, weil die zuständigen richter schon vorab feststellten, daß keine verurteilbare schuld vorläge. selbst in diesem jetzigen prozess vor einem lüneburger gericht hatte es noch 2013 eine ablehnung vom frankfurter gericht gegeben.

dieser prozess ist mehr als nur eine mögliche bestrafung eines täters. es ist die möglichkeit, vielleicht sogar die letzte möglichkeit von zeugen, zu berichten, zeugnis abzulegen wider dem vergessen. es ist eine kleine gelegenheit der deutschen justiz, buße zu tun für all die vertanen chancen, den opfern schon früher recht zuzugestehen. und es ist endlich mal mit einer zeugenaussage eines täters die gelegenheit vorhanden, den blödsinnigen holocaust-leugnern das maul zu stopfen.

große gesten kamen von noch keinem gericht, und auch in diesem fall nicht von einem täter – aber sie kamen wieder einmal von den opfern, die ohne haß und auch ohne verachtung die mängel auch dieser täteraussage aufzeigen und die wirkung dieses prozesses auf das heute anmahnen.

woher sie nur die kraft nehmen.

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