postfaktisch ist eine gute wahl. nicht nur, weil die alternativen mir weniger gefallen hätten. auf platz zwei landete ‚brexit‘, auf drei ’silvesternacht‘ .

es ist gut, das die gesellschaft für deutsche sprache hinzugefügt hat, dass „Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität“ (http://gfds.de/wort-des-jahres-2016/) ausschlaggebend ist für die wahl. denn ich glaube, dass nur jemand, der viel mit afd oder pegida zu tun hat, oder britischer bzw. us-amerikanischer bürger ist, dem wort häufiger begegnet ist. (wobei das auch schon wieder eine postfaktische aussage ist). ich kannte ‚postfaktisch‘ vorher nicht und vielen geht es so wie mir. die bedeutung erschließt sich auch nicht ganz so schnell, obwohl eingängige beispiele da doch sehr förderlich sind.

also, obwohl ich das wort nicht kannte und mir die bedeutung erst ein wenig erarbeiten musste, ist ‚postfaktisch‘ eine gute wahl. denn wenn man verstanden hat, was gemeint ist, hat man ein klares gefühl, wie sehr es den nerv der zeit trifft. (wäre das dann neopostfaktisch?: fakten als grundlage für emotionen, die der entscheidende faktor sind?)

spannend finde ich auch, dass erst zum zweiten mal ein adjektiv zum gewinner wurde. im ersten jahr der wahl 1971 gewann ‚aufmüpfig‘. irgendwie schließt sich der kreis 😉

interessant wird es sein, ob die wahl folgen hat. im letzten jahr gewann das wort ‚flüchtling‘, mit der begründung, dass es nicht nur das bestimmende thema sei, sondern auch, weil wörter mit der endung -ing meist negativ konnotiert seien, bzw. passiven charakter hätten. und man solle doch überlegen, ob man nicht lieber von ‚geflüchteten‘ redet. (hierzu bitte gerne anschauen: http://starke-meinungen.de/blog/2016/08/23/fluechtlinge-oder-gefluechtete/ ). ob es die stimmung in der gesellschaft wirklich beeinflußt hat, wag ich zu bezweifeln. und ich bin gespannt, ob ‚postfaktisch‘ etwas bewirkt…oder ob es sich nur zum unwort des jahres entwickelt.

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