ein hoch auf die, die sich diese frage noch stellen – auch ohne hoffnung auf antwort

schulz ist angekommen, in seiner übergangsposition und bei den leuten. seit einer woche redet er nun offiziell als kanzlerkandidat – und sagt nur wenig. aber die spd ist glücklich und ich so auf jeden fall glücklicher als mit gabriel. der wahlkampf ist belebter, für die spd wird es nicht so ganz arg peinlich enden (vielleicht sogar mit dem gewinnen), und dann macht es nicht ganz so viel, dass ich etwas gelangweilt bin. ich kann mich nicht erinnern, dass jemals zuvor die lebensgeschichte eines kandidaten in dessen reden eine so zentrale rolle gespielt hat. blöderweise ist die geschichte nur beim ersten mal spannend – in der wiederholung, naja…aber das kann ja nicht dauerhaft so bleiben, inhalte werden kommen müssen, schließlich will sich schulz von der kanzlerin absetzten und niemand kann „vage“ so schön wie sie.

jaja, ich weiß, manchmal kommen schon jetzt sätze mit inhalt. ich hab da ein beispiel:

„Nach meinem Verständnis muss ein Bundeskanzler für die Alltagssorgen, für die Hoffnungen wie für die Ängste aller Menschen nicht nur Verständnis, sondern tiefe Empathie empfinden. Sonst ist er oder sie fehl am Platz.“

mir persönlich kommt diese aussage zwar etwas größenwahnsinnig vor, aber gut, er ist ja noch am anfang…

es wird recht häufig erwähnt, dass es ein großes problem darstellt, dass schulz ein unbekannter für die deutschen ist. stimmt das? kennt ihn keiner? mir ist er über die jahre immer aufgefallen, ist doch eigentlich schon was besonderes, wenn ein deutscher dem eu-parlament vorsitzt. vielleicht ist es aber auch von vorteil, wenn die wähler hier nicht so viel von ihm wissen. schließlich gehört zu seiner eu-vita auch seine wortbrüchigkeit: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-01/eu-parlamentspraesident-martin-schulz-nachfolge-spd-cdu-vereinbarung

versteht mich nicht falsch, ich mach hier keine aussage für oder gegen schulz. ich find ihn demokratisch und machtgeil und ich find ihn weder besser noch schlechter als merkel. ich halte eh nur die afd für nicht-wählbar! und grundsätzlich denke ich, dass uns diese wahl nicht weiterbringen wird. es ist utopisch zu glauben, dass die situation in der welt durch beibehaltung des kapitalistischen systems besser werden kann. und es ist utopisch zu glauben, dass eine partei oder auch nur ein land die zerstörerischen entwicklungen weltweit aufhalten kann. es ist utopisch zu glauben, dass man sich abschotten kann – das war in der vergangenheit schon kurzsichtig, und da hätte man zumindest noch eine bessere chance auf veränderungen gehabt.

so lange sich mit krieg und ungerechtigkeit riesige gewinne für wenige erzielen lässt, und so lange wie regierungen diese wenigen schützen und fördern, wird es krieg, vertreibung und ungerechtigkeit geben. daran wird ein schulz nichts ändern, eine merkel vielleicht noch weniger, aber auch keine wagenknecht. denn eine veränderung wird dauerhaft nicht durch ein „dagegensein“ erzielt werden, sondern nur gemeinsam. da sind wir aber sowas von weit entfernt – der mensch ist ja vielleicht in seiner urstruktur ein kapitalistisches wesen. und also wird es wahlkämpfe geben, in denen man sich währenddessen nicht vorstellen kann, wie die gewinner nachher koalieren wollen, oder wo am ende die abwegigsten kandidaten gewinnen und sich alle hinterher die augen reiben.

aber vielleicht muss ja auch erst alles fürchterlich kaputtgehen, damit etwas neues entstehen kann.

 

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